"Notleidende Banken" Unwort des Jahres 2008

Das "Unwort das Jahres" 2008 heißt "notleidende Banken". Ausgewählt wurde der Sieger aus mehr als 2100 Vorschlägen, teilte die Jury um den Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser in Frankfurt am Main mit. Die Formulierung "notleidende Banken" stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf, sagte Schlosser zur Begründung der Entscheidung. Während die Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis gerieten und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssten, würden die Banken mit ihrer Finanzpolitik, durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern stilisiert.

Ebenfalls vorgeschlagen worden waren außerdem "unwortverdächtige" Sprachschöpfungen wie "Rentnerdemokratie" und "Karlsruhe-Touristen".

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"Unworte des Jahres" seit 1991 (unwortdesjahres.org)

Jahr "Unwort" Erklärung
1991 Ausländerfrei Fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda
1992 Ethnische Säuberung Propagandaformel in Ex-Jugoslawien
1993 Überfremdung Scheinargument gegen Zuzug von Ausländern
1994 Peanuts Abschätziger Banker-Jargon
1995 Diätenanpassung Beschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag
1996 Rentnerschwemme Falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpol. Sachverhalt
1997 Wohlstandsmüll Umschreibung arbeitsunwilliger Menschen (Helmut Maucher, Nestlé)
1998 Sozialverträgliches Frühableben Zynisch wirkende Ironisierung (Karsten Vilmar, Ärztepräsident)
1999 Kollateralschaden Verharmlosung der Tötung Unschuldiger
2000 National befreite Zone Zynisch heroisierende Umschreibung einer von Rechtsextremen terrorisierten Region
2001 Gotteskrieger Selbst- und Fremdbezeichnung der Taliban- und Al Kaida-Terroristen
2002 Ich-AG Reduzierung von Individuen auf sprachliches Börsenniveau
2003 Tätervolk Inakzeptabler Vorwurf der Kollektivschuld, Martin Hohmann (CDU-MdB)
2004 Humankapital Degradiert Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen
2005 Entlassungsproduktivität Gewinne aus Produktionsleistungen eines Unternehmens nach der Entlassung von Mitarbeitern
2006 Freiwillige Ausreise Gesetzes- und Behördenterminus in Asylverfahren
2007 Herdprämie Diffamierende Bezeichnung für Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen